Spekulation vs. Wertschätzung: Welche Motive stecken hinter dem Kauf von Kunst-NFTs?

Piet Kleeßen
,
17.5.2022

Die neue Ausgabe des ART+TECH Reports zum Thema "Sammeln von Kunst-NFTs" untersucht die Motivationen und Erfahrungen von Kunst-NFT-Sammler:innen. Die Ergebnisse helfen, die Zielgruppe von Kunst-NFTs besser zu verstehen und entsprechend die Konzeption und Erstellung von NFT-Kollektionen zielgerichteter zu gestalten.

Im Rahmen des Berichts wurden Anfang diesen Jahres 306 internationale Kunst- und Kunst-NFT-Sammler:innen online zu ihren persönlichen Erfahrungen beim Kauf und Sammeln von Kunst-NFTs befragt. Dabei wurde klar zwischen Kunst-NFTs und NFTs im Allgemeinen sowie NFT- Sammelobjekten (wie z.B. dem Bored Ape Yacht Club) unterschieden. 

Folgend werden die bedeutendsten Ergebnisse dargestellt:

Die Kunst steht klar im Vordergrund

90 % der Sammler:innen gaben an, dass die Wertschätzung der Kunstwerke der wichtigste Faktor beim Kauf von Kunst-NFTs ist. Das klingt einleuchtend, aber wenn man bedenkt, dass die meisten Kryptoanlagenkäufe von der Erwartung eines Gewinns oder von FOMO (Fear of Missing Out) angetrieben werden, ist dies ein bedeutender Unterschied.

Auf die Frage, was ein gutes NFT ausmacht, gaben die Sammler:innen an, dass das künstlerische Konzept mit 93 % und die innovative Nutzung der Blockchain-Technologie mit 73 % die wichtigsten Faktoren sind. 79 % gaben außerdem an, dass die digitale Ästhetik für sie beim Kauf wichtig ist.

Im Gegensatz zu NFT-Sammelobjekten, die oft mit Anreizen verbunden sind, haben Kunst-NFTs in erster Linie einen intrinsischen Wert, der auf ihrer ästhetischen und künstlerischen Bedeutung beruht. 

Unterstützung des:der Künstler:in als starke Motivation

86 % der Befragten kaufen Kunst-NFTs aus Wertschätzung für den:die Schöpfer:in. Viele erfahrene Sammler:innen sehen sich selbst als Unterstützer:innen der Kunst und genießen es, eine persönliche Beziehung zu den Künstler:innen aufzubauen.

Zudem schätzen 71 % der Sammler:innen den sozialen Aspekt, direkt von ihren Lieblingskünstler:innen zu kaufen. Dies ist tatsächlich eine Neuheit und eher ungewöhnlich im Vergleich zum traditionellen Kunstmarkt, wo der Verkauf i.d.R. durch Galerien und Händler vermittelt wird.

Darüber hinaus begrüßen 60 % der Sammler:innen die Möglichkeit, dass Künstler:innen an den Wiederverkäufen und der Wertsteigerung ihrer Werke monetär partizipieren können.

Digitaler Besitz als Sammelmotiv

Für 71 % der Sammler:innen ist der offizielle Besitz eines Kunst-NFT ein starkes Kaufmotiv. Viele der Befragten sind der Meinung, dass NFTs revolutionäre Veränderungen im Kaufprozess von Kunst mit sich gebracht haben. Zwei Drittel der Befragten nannten die Einführung von dezentralisierten Echtheits-, Eigentums- und Herkunftszertifikaten als wichtigste Neuerung. Die Blockchain-Technologie bietet nun die Möglichkeit, die Herkunft und den:die Schöpfer:in eines Kunstwerks nachzuvollziehen. Es kann nachgewiesen werden, dass ein digitales Kunstwerk einzigartig ist, was Seltenheit und damit Wert schafft.

Die meisten Befragten sind sich einig, dass das Konzept des digitalen Eigentums in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird: 79 % der Sammler:innen von NFT-Kunstwerken glauben an das Potenzial von Web3 und 65 % von ihnen planen, ihre NFT-Kunstwerke im Metaverse auszustellen.

Motivationen für den Kauf von Kunst-NFTs

Quelle: Art+Tech Report 2022, S. 9 (mehrfache Antworten möglich)

Worum es bei Kunst-NFTs nicht (so sehr) geht

Sammleranreize

66 % der Sammler:innen gaben an, dass sie an Anreizen bzw. “Utility” (wie z.B. bevorzugtem Zugang, Airdrops, Beteiligung) nicht besonders interessiert sind. Bei der Befragung bewerteten sie die Sammleranreize, die mit Kunst-NFTs einhergehen, als die am wenigsten wichtige von 11 Dimensionen (7 %). Dieses Ergebnis scheint im Widerspruch zu der im NFT-Bereich vorherrschenden Meinung zu stehen, wonach Anreize ein must-have sind, um einen Hype um eine NFT-Sammlung zu erzeugen. Einigen mag es als Schwäche erscheinen, dass Kunst-NFTs nicht so viel Nutzen haben wie andere Arten von NFTs. Es ist jedoch die Kunst selbst, die einem Kunst-NFT seinen Nutzen verleiht.

Spekulation

Nur 28 % der Befragten gaben an, dass die Möglichkeit, einen Gewinn zu erzielen, bei der Entscheidung über den Kauf von NFT-Kunstwerken eine wichtige Rolle spielt. Dies widerspricht der verbreiteten Meinung, dass es beim Sammeln von NFT um reine Spekulation geht. Während dies für andere Arten von NFT zutreffen mag, gilt es weniger für Kunst-NFT. 

Große Namen aus der traditionellen Kunstwelt

Nur 8 % der Sammler:innen kauften ein Kunst-NFT, weil es von einem:einer bekannten Künstler:in aus dem traditionellen Kunstmarkt geschaffen wurde. Für 92 % der Sammler:innen hatte ein Kunst-NFT eines:einer bekannten Künstler:in nicht mehr Anziehungskraft als ein Kunst-NFT eines:einer im traditionellen Kunstmarkt unbekannten Künstler:in. Das Prestige eines bekannten Namens färbt folglich nicht direkt auf seine NFT-Kollektion ab. Es ist ein neuer Raum mit neuen Regeln.

Wenn Sie in diesen Raum tiefer eintauchen wollen und dabei gerne Unterstützung hätten, können Sie sich gerne bei uns melden. 

Link zum vollständigen Report: https://www.arttechreport.com
Quelle des Titelbild: OFFICE IMPART/panke.gallery

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